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DGB Bezirk Hessen-Thüringen
1. Mai 2010
1. Mai 2010











Willkommen im Billiglohn-Land Thüringen!


Lesen Sie hier, warum wir als Thüringer Gewerkschaften mit der Situation nicht zufrieden sein können. Nirgendwo in der Republik müssen die Menschen länger als in Thüringen. Gleichzeitig wird an keinem anderen Ort in Deutschland Arbeit so gering wie in Thüringen vergütet.

Wir wollen, dass man von Arbeit in Würde leben kann! Wir wollen den gesetzlichen MINDESTLOHN!

 

 

1.         Aufschwung für Gewinn- und Vermögenseinkommen - Nachholbedarf bei Löhnen und Gehältern

Das Wirtschaftwachstum ab dem Jahr 2006 ist bislang bei den Einkommen der ArbeitnehmerInnen nicht angekommen. Die gespaltene Konjunktur mit unverändert hohem Exportwachstum (2006: +12,5 %, 2007: + 8,3 %) auf der einen Seite und stagnierendem Binnenmarkt (Privater Konsum 2006: +1 %, 2007: -0,3 %) auf der anderen Seite hat die verteilungspolitische Schieflage zugunsten der Gewinn- und Vermögenseinkommen deutlich verstärkt.

Damit hat sich der Trend der weiteren Öffnung der Schere zwischen Kapitalerträgen und sonstigen Einkünften aus Vermögen und der Entwicklung der Arbeitseinkommen seit Anfang der 90-er Jahre fortgesetzt.

Die Bruttounternehmens- und Vermögenseinkommen stiegen in den Jahren 2000 bis 2007 um 42,7 %, die Brutto-Arbeitnehmerentgelte um lediglich 10,8 %.

Der gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum als Summe von Produktivitätssteigerung und Preisentwicklung konnte seit Jahren nicht mehr ausgeschöpft werden. Die Folge ist, dass das Wachstum bei der Produktivität in Höhe von 1,8 % p.a. und das Wirtschaftswachstum insgesamt einseitig den Kapital- und Vermögensbesitzern zu Gute gekommen ist.

Eine Ursache hierfür ist die politisch gewollte Ausweitung des Niedriglohnsektors. Von 1995 bis 2006 ist der Niedriglohnsektor bundesweit um 43,3 % ausgeweitet worden. Auch in Folge der Agenda 2010 ist von 2004 bis 2006 die Zahl der Beschäftigten mit Bruttostundenlöhnen von bis zu 5,00 Euro von 1,5 auf 1,9 Millionen angestiegen. Bundesweit arbeiten 6,6 Mio. ArbeitnehmerInnen unterhalb der Niedriglohnschwelle i.H. von 9,13 Euro Stundenlohn. In Ostdeutschland arbeiten 1.91 Mio. Beschäftigte bzw. 41,1 % der abhängig Beschäftigten im Niedriglohnbereich.

Statt Sprungbrett in eine reguläre Beschäftigung ist der Niedriglohnsektor eine Sackgasse. Nur jedem achten Niedriglöhner gelang zwischen 1999 und 2005 der Sprung über die Niedriglohnschwelle. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) und der Universität Erlangen-Nürnberg hervor.

Niedriglohn ist insbesondere weiblich. Während 14,2 % der Männer im Niedriglohnsektor arbeiten sind es 30,5 % der Frauen. Fast dreiviertel der Niedriglohnbeschäftigten habe eine qualifizierte Berufsausbildung oder sogar einen Hochschulabschluss.

Tarifverträge verhindern Niedriglohn und ruinösen Wettbewerb für die Unternehmen. Eine Ursache der niedrigen Löhne ist die geringe Tarifbindung der Thüringer Unternehmen. Tarifverträge bieten einen Schutz gegen Niedriglohn und gewährleisten deutlich höhere Löhne und Gehälter. In den tariflich gebundenen Branchen liegt die Ost-/Westangleichung bei 97 Prozent.

Auch beim Thema Mindestlohn stellen wir fest: „Jammern gehört zum Geschäft des guten Kaufmanns" - auch in Ostdeutschland. Dass dafür kein Grund gegeben ist, verdeutlicht eine aktuelle Analyse des IWH. Laut dem Wirtschaftsinstitut lagen im Jahr 2006 die Renditen im verarbeitenden Gewerbe Ostdeutschlands mit 3,9 % deutlich über dem westdeutschen Niveaus mit 3,2 %. Das ist auch ein Ergebnis der Thüringer Niedriglohnstrategie. Bei entsprechendem Gewinnverzicht können die niedrigen Löhne deutlich angehoben werden.


2.         Lohnentwicklung in Thüringen

In Thüringen werden die niedrigsten Löhne bundesweit gezahlt. Laut IAB-Betriebspanel wurden im Jahr 2007 durchschnittlich 1.780 Euro Bruttomonatslohn gezahlt. Seit 1996 stagniert die Angleichung auf das westdeutsche Niveau, das unter Berücksichtigung der längeren Arbeitszeiten bei 71 % lag.

Auch die Statistik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) belegt, dass Thüringen die rote Laterne bei den Löhnen- und Gehältern hat. Mit durchschnittlich 14,91 Euro pro Stunde liegt Thüringen gemeinsam mit Sachsen- Anhalt am Ende der Skala der Bundesländer.

 

Der durchschnittliche Bruttostundenlohn liegt damit 1,12 Euro unter dem Durchschnitt Ostdeutschlands und 5,11 Euro unterhalb des bundesweiten Wertes. In Thüringen werden pro Stunde durchschnittlich 6,07 Euro weniger als in den Westländern gezahlt.

Aufs Jahr gerechnet, erhalten die ArbeitnehmerInnen in Thüringen 1.256 Euro weniger als die ArbeitnehmerInnen in Gesamt-Ostdeutschland und 6.544 Euro bzw. 30,6 Prozent weniger als in Westdeutschland. Der Lohnabstand reduziert Nachfrage und Kaufkraft und ist eine maßgebliche Ursache für die hohe Arbeitslosigkeit.

Bruttolöhne und -gehälter bundesweit und Länder 2007 ( in Euro)

 

Abstand zu Thüringen absolut und %

 

Thüringen

alte Bundes- länder
ohne Berlin

alte Bundes- länder
ohne Berlin %

Deutschland

Deutschland %

neue Bundes- länder
einschließl. Berlin

neue Bundes- länder
einschließl. Berlin %

Brutto- stundenlöhne u. Gehälter 2007

14,91

6,07

71,1

5,11

74,5

1,12

93,0

Jahrsbrutto- löhne u. Gehälter 2007

21.508

6.544

76,7

5.575

79,4

1.256

94,5

Quelle: Arbeitskreis VGR, eigene Berechnungen

Löhne und Einkommen sind nicht nur Kosten für die Arbeitgeber, sie prägen die Nachfrage am Binnenmarkt. Niedriglöhne und Lohnabstand reduzieren Nachfrage und Kaufkraft. Sie sie die entscheidende Ursache für die hohe Arbeitslosigkeit.

 

  
 

3.         Arbeitszeiten in Thüringen

Neben den niedrigsten Löhnen gibt es in Thüringen auch die längsten Arbeitszeiten.

Mit 1.442 Arbeitsstunden arbeiten die ArbeitnehmerInnen in Thüringen und Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich am Längsten. Es wird p.a. 22 Stunden länger als in Ostdeutschland gearbeitet.

Die ArbeitnehmerInnen arbeiten in Thüringen durchschnittlich 100 Stunden länger als in Westdeutschland. Gegenüber Rheinland-Pfalz beträgt der Abstand sogar 132 Stunden.

 

 

 


4.         Abwanderung auf Rekordwert

Eine Folge der Massenarbeitslosigkeit sowie der niedrigen Löhne ist die seit Jahren hohe Abwanderung in die westlichen Bundesländer. Insbesondere die gut ausgebildeten jungen Menschen gehen dorthin, wo ihnen eine gute berufliche Zukunft geboten wird.

Mit 10.307 Fortzügen im ersten Quartal 2008 wurde ein neuer Rekordwert erreicht. Der Zuzug von fast 7.000 Menschen nach Thüringen konnte den Bevölkerungsverlust nicht ausgleichen. Das Wanderungssaldo betrug 3.384. Wenn sich der Trend über das gesamt Jahr fortsetzt, ist zu erwarten, dass 2008 mehr als 13.500 Menschen Thüringen verlassen werden. Das entspricht der Einwohnerzahl von Pößneck.

 
 

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Laden Sie sich hier die Zusammenfassung aus der Pressekonferenz des DGB Thüringen vom 08. September 2008 herunter (PDF, 85KByte).